Deutz 3661X/1942
Zum Lebenslauf der auf Rügen stationierten Köf 6003 erstellte Achim Rickelt den folgenden Artikel für www.schmalspurbahn-forum.de, den ich für die Heeresfeldbahn-Seite übernehmen durfte. Vielen Dank!
Die Köf 6003, ein verwirrendes Lokleben
Unsere Köf 6003 gehört zu den unzähligen
Exemplaren der Heeresfeldbahngattung HF130C, die noch tatsächlich für das
deutsche Heer gebaut wurden. Leider gibt es für die Lok kein
Originalbetriebsbuch mehr. Das heutige Buch ist eine Zweitschrift. So lässt sich der erste Lebensabschnitt nur anhand unterschiedlicher
Literaturquellen einigermaßen anschaulich machen.
Als Baujahr wird im Betriebsbuch 1944 angegeben. Die Lok wurde von Deutz gebaut,
die nur relativ wenige HF 130 C lieferten. Das Heeresfeldbahn-Standardwerk von
Alfred Gottwald gibt allerdings an, dass Deutz die HF 130 C nur bis 1942
fertigte und später eigentlich nur noch als Motorenlieferant für einen Großteil
der Loks auftauchte. Somit ist schon das Geburtsjahr nicht eindeutig geklärt.
Nicht einmal die Fabriknummer des Rahmens ist genau bekannt. In etlichen Veröffentlichungen
ist daher die Nummer des Motors angegeben, die keine Aussagekraft hat.
Die HF130C wurde nach dem Krieg im Gelände des Depots Mellensee der
HF-Ausbildungseinheit Rehagen-Klausdorf betriebsunfähig vorgefunden. Entweder
ist sie dort während der Ausbildung der Eisenbahnpioniere eingesetzt worden,
oder sie gelangte von der Ostfront mit rückgeführtem HF-Material hierhin.
Gemeinsam mit der späteren Köf 6001 (Gmeinder 1944) und drei HF 110 C (später
DR 99 4651 – 53) wurde sie zur zivilen Nutzung durch die Besatzungsmacht
freigegeben, jedoch zunächst nicht hergerichtet. Die Rbd Berlin ließ sie wohl
erst Anfang der 50er Jahre betriebsfähig aufarbeiten und setzte sie auf dem
Reststück der ehemaligen Kreisbahn Rathenow – Senzke – Nauen zwischen Nauen
und Kriele ein. Dort wurde sie nach der Stilllegung 1961 entbehrlich und
gelangte zu ihrer Kollegin Köf 6001 nach Dahme. Weil dort im Jahre 1965 die
Reststrecke stillgelegt wurde, kamen beide zum Bw Putbus auf die Insel Rügen.
Köf 6003 wurde Rangierlok auf dem Bf. Bergen Ost, wo sie ab 1967/68 dann von Köf
6001 unterstützt wurde, die zunächst in Altefähr rangiert hatte. Die Loks
erlebten hier die nächste Streckenstilllegung 1969 bzw. offiziell 1970 und
machten sich für bahninterne Dienste noch bis mindestens 1971 im so genannten
"beschränkten Wagenladungsverkehr" bis Trent nützlich. Seit 1970
trug unsere Köf 6003 die Nummer 100 902, während die Köf 6001 als 100 901
bezeichnet wurde. Ich nenne absichtlich immer die zweite Lok mit. Das wird noch
von Bedeutung sein.
Nachdem die Loks in Bergen nicht mehr gebraucht wurden, wurde es still um sie. Völlig
unbeachtet stellte man sie im Gelände des ehemaligen Bf. Bergen Ost ab, ohne
sie vorher wenigstens fachmännisch zu konservieren und zu entwässern. Buchmäßig
wurden sie 1973 nochmals umgezeichnet zu 199 001 (Köf 6001/100 901) und 199 002
(Köf 6003/100 902). Ihr Schicksal schien besiegelt zu sein.
Der Rasende Roland konnte schließlich doch gerettet werden und wurde 1975 zum
Denkmal erklärt. Die Strecke Putbus – Göhren befand sich aber in einem erbärmlichen
Zustand. So mussten ca. 21 km von 1976 – 79 rekonstruiert werden. Zum Ziehen
der Arbeitszüge erinnerte man sich der beiden Dieselloks und richtete beide
Loks in Putbus wieder betriebsfähig her. Mit den Nummern 100 901 und 902, die
eigentlich gültige 199er Nummer wurde nicht angeschrieben, auch wurde keine
Selbstkontrollziffer angeschrieben, sollten beide Loks der Bahnmeisterei Bergen
als Zugloks für ihre Arbeitszüge dienen. Sie wurden von Personal der Bahnmeisterei
besetzt. 100 902 (Köf 6003) hatte durch Frostschäden erhebliche
Undichtigkeiten am Kühlkreislauf des Motors aufzuweisen, wodurch sie nur als
Reservelok diente, während 100 901 (Köf 6001) emsig im Einsatz stand.
Nach 1979 wurde es wieder ruhiger in den Vorbauten der beiden HF130C. Lediglich
Rangierdienste mit kalten Dampfloks standen im Bedarfsfall auf dem Programm.
Gern wurden mit der Köf auch Fahrzeuge an der Verladerampe für die Raw-Überführungen
rangiert.
Mitte der 80er hatte nun die Deutsche Reichsbahn keine Verwendung mehr für
beide Loks und musterte die 100 902 / 199 002 (Köf 6003) aus.
Nun begann das Verwirrspiel, das jahrelang alle Statistiken durcheinander
wirbeln sollte. Das Fahrwerk der 100 902 (Köf 6003) befand sich, aufgrund der
wenigen Kilometer der letzten Jahre in einem recht guten Zustand. Der Motor war
allerdings, wie beschrieben, kaum zu gebrauchen. So baute die Einsatzstelle
Putbus den noch besseren Motor der eigentlich zu erhaltenen 100 901 (Köf 6001)
in die eigentlich ausgemusterte 100 902 ein. Pflichtwidrig wurde nach
Sicherstellung etlicher Ersatzteile die 100 901, also die Köf 6001
verschrottet.
Damit der Schwindel nicht auffiel, wurde die 100 902 umgehend in 100 901
umbeschriftet und weiterhin als Rangierlok eingesetzt.
Ende 1990 konnte die 100 901 II erstmals im Raw Halle
grundhaft aufgearbeitet werden. Sie verließ das Raw nun mit der offiziellen
Nummer 199 001-9 und konnte am 8. Januar 1991 wieder in Betrieb genommen werden.
Schließlich erfolgte noch die Umzeichnung in 399 703-8 zum 1. Januar 1992. Zum
100. Jubiläum der Rügenschen Kleinbahn 1995 wurde die Lok neu lackiert und
wieder mit der richtigen Nummer Köf 6003 beschriftet, womit die Welt in Ordnung
und völlig verwirrt war.
Die Köf 6003 besitzt seit 1994 einen gut erhaltenen Tauschmotor von Deutz aus
dem Jahr 1951, der nur als Antrieb für ein Notstromaggregat gedient und nur
wenige Betriebsstunden erreicht hatte. Er wurde von einem ehemaligen Ehrenlokführer
gespendet und läuft sehr zuverlässig.
Heute dient Köf 6003 hauptsächlich als Rangierlok auf dem Bf. Putbus. Ende der
90er, vor der Indienststellung der V 51 901, arbeitete sie auch häufiger im
Arbeitszugdienst. Da die Lok keine Druckluftbremse besitzt und nur 20 km/h
schnell ist, sind Streckendienste die Ausnahme. Entsprechend selten sind Fotos
der Lok außerhalb von Putbus.
Sonderfahrt im Winter 1988, aufgenommen von Achim Rickelt in Putbus
Foto aufgenommen von F. Neubauer 2002 in Putbus
Anmerkung Florian Rauh:
Wie Achim Rickelt in seinem Beitrag anmerkt, besteht Unklarheit bezüglich der
korrekten Fabriknummer der Köf 6003. Angeblich wurde die Lok 1942 mit einer
Spurweite von 750 mm nach Rehagen-Klausdorf ausgeliefert. Sofern diese Angaben
stimmen, lässt sich die Identität anhand der Deutz-Lieferliste auf die
Fabriknummerngruppe 36610 bis 36614 eingrenzen.
Quellen:
Beitrag Achim Rickelt im www.schmalspurbahn-forum.de
Deutz-Lieferliste von der Lokomotivfabriken-CD, Jens Merte
Kleine Eisenbahn-Hefte Nr. 13 von K. Kindelberger